Winckelmann-Museum

Stendal

Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) gilt als Begründer der modernen Archäologie und Kunstwissenschaft. Der Stendaler Sohn eines Schuhmachers stieg in Rom zum berühmtesten Altertumswissenschaftler seiner Zeit auf. Als Wegbereiter des europäischen Klassizismus beeinflusste seine Sicht auf die Antike weltweit Kunst und Architektur. Auch in der deutschen Literatur war sein Einfluss auf Goethe, Lessing und Herder enorm. Zugleich war er ein Vertreter der deutschen Aufklärung. In seinen Schriften betonte er z.B. den Zusammenhang von Kunst und Freiheit.

Das Museum in der Geburtsstadt Winckelmanns widmet sich dem Leben und Werk des Gelehrten. Es wurde 1955 an der Stelle seines Geburtshauses, der heutigen Winckelmannstraße 36, eröffnet. Innerhalb von gut 60 Jahren, insbesondere aber seit dem Jahr 2000, als die Winckelmann-Gesellschaft die Trägerschaft des Museums übernommen hat, wurde das Areal sukzessive durch Einbeziehung anliegender Gebäude und Flächen erweitert. Anlässlich der Winckelmann-Jubiläen 2017/2018 erfolgte eine umfassende bauliche Neugestaltung des Museumsquartiers. Ein Neubau entstand, der den Altbauten vorgeblendet ist und diese sinnvoll verbindet. In ihm befindet sich ein modernes Foyer mit Museumsshop und Café-Ecke. In seinem Obergeschoß hat die Bibliothek der Winckelmann-Gesellschaft ihren Sitz. Die Obergeschosse des weitgehend barrierefreien Museums werden nun durch einen Aufzug erschlossen.

Die Winckelmann-Ausstellung

Die ständige Ausstellung im Erdgeschoss des Museums thematisiert das Leben und Werk Winckelmanns. Am 8. Juni 1768 wurde er in einem Hotelzimmer in Triest Opfer eines grausamen Mordes. Die Ausstellung nimmt dieses Ereignis zum dramaturgischen Ausgangspunkt und verfolgt – wie in einer Rückblende – den ungewöhnlichen Lebensweg von Johann Joachim Winckelmann: seine Herkunft als armer Schustersohn in Stendal, seinen teils dornenreichen Bildungsweg, seine Anstellungen in Seehausen und im sächsischen Nöthnitz und seine richtungsweisende Stippvisite in Dresden, schließlich sein Leben und Wirken in Rom und in anderen Orten Italiens sowie seinen Ruhm in Europa. Innerhalb der biographischen Stationen wird zugleich Winckelmanns wissenschaftlicher Werdegang geschildert, als „Highlights“ in den Räumen werden seine Werke präsentiert.

Die neue Ausstellung wurde um zahlreiche Schaustücke erweitert und zeigt antike Originalwerke, Abgüsse nach denselben, historische Bücher, Druckgrafik, Gemälde etc. Höhepunkt bildet eine Anmutung des Belvedere-Hofs im Vatikan, wo nun erstmals in Stendal alle drei berühmten und von Winckelmann hymnisch beschriebenen Statuen – die Laokoongruppe, der Torso und der Apoll von Belvedere – als Gipsabgüsse gemeinsam in Originalgröße zu bewundern sind. Der Rundgang durch die farbkräftigen Räume wird begleitet durch eine Audioguide-Führung; multimediale Stationen sowie Hands-On speziell für Kinder ermöglichen einen spielerischen Zugang zu den Inhalten. Die Ausstellung ist weitgehend barrierefrei. Sie bietet blinden und sehschwachen Besuchern nicht nur eine eigene Audioguide-Führung, sondern eine eigene Strecke durch die Räume mit taktilen Exponaten, die zum Anfassen einladen.

Das Familienmuseum

Im neuen Familienmuseum können sich Schüler, Kinder und Familien auf spielerische Weise mit den Themen Antike und Archäologie beschäftigen. Auf sie wartet eine antike Erlebniswelt mit einer Vielzahl von interaktiven Stationen, die alle ihre Sinne erfordert: Tunnel, Rutschen und eine Vulkan-Kletterwand laden zur ausgiebigen Bewegung ein. Verkleidet als Römerinnen und Römer können sie in einem Theater einen Bericht über den Ausbruch des Vesuvs 79. n. Chr. hören und gemeinsam Schattenspiele veranstalten. In einem von einem Vulkan verschütteten römischen Haus können sie u.a. eine Bibliothek, eine Küche und ein Hausheiligtum erkunden. Im Hafenbereich warten auf sie ein Schiff zum Beladen und Verkaufsstände, an denen sie spielen können. Schließlich gilt es, eine riesige Meereswelle mit farbenfrohen Präparaten von Fischen und Meerestieren zu bestaunen.
In einer zusätzlichen Ausstellung zu den Kulturen verschiedener Völker werden antike Werke des griechischen und römischen Alltags ausgestellt. Diese Originale vertiefen das Verständnis der Bereiche unserer Erlebniswelt, von Theatermasken bis zu antiken Fischtellern.

Der Skulpturenhof

Direkt vom Foyer gelangt man in den Skulpturenhof, der zu entspannter Muße verführt. In den Sommermonaten ist er ein stimmungsvoller Ort für Konzerte und Freiluftveranstaltungen. Er präsentiert Werke der Bildhauer Christa Sammler, Friedrich B. Henkel, Wolfgang Friedrich. Ergänzt wird das Ensemble durch mehrere Reproduktionen antiker Originale als Bronze- und Steinguss, darunter zwei Statuetten, die von Blinden als Tastfiguren erfasst werden können und hörbar den Besuchern ihre Geschichte erzählen.

„8000 Jahre Kunst –Mäzenaten-Museum.
Dr. Wolfgang von Wangenheim gewidmet

Ein Novum ist die Ausstellung „8000 Jahre Kunst – das Museum der Stifter“ im zweiten Obergeschoss des Museums. Sie hat den Charakter von Sammlungskabinetten und Schaumagazinen. In Einzelräumen bzw. Raumkompartimenten werden Teile von Künstlernachlässen und Sammlungen präsentiert, die Mitglieder der Winckelmann-Gesellschaft dem Haus großzügig gestiftet haben. Sie sind in drei chronologische Bereiche unterteilt: Ein erster Raum zeigt Originale antike Werke der Stiftungen Dr. Willi Stahlhofen & Ursula Tacke, Prof. Sven Olaf & Dr. Ingeburg Hoffmann, Magrid & Fritz Lichtenhahn sowie Heinrich Alexander Stoll. Daran schließen sich Italienansichten und Werke der Antikenrezeption des 18. Jahrhunderts aus der Sammlung Wolfgang von Wangenheim an. Ein dritter Bereich widmet sich der Moderne mit Grafiken aus der Sammlung Rudolph Grosse, zu denen u.a. Werke des deutschen Expressionismus zählen, zudem werden die Künstlernachlässe Wilhelm Höpfner und Walter Wilhelm sowie der Künstlervorlass der Bildhauerin Christa Sammler präsentiert. Das bürgerliche Engagement dieser Mitglieder der Winckelmann-Gesellschaft als Mäzene soll auf diese Weise eine angemessene Würdigung erfahren.

Die Bibliothek

Die Bibliothek der Winckelmann-Gesellschaft und des Winckelmann-Museums wurde mit der Gründung der Winckelmann-Gesellschaft im Jahr 1940 ins Leben gerufen. Sie ist die weltweit einzige Bibliothek zu Johann Joachim Winckelmann mit wissenschaftlichem Anspruch. Zu den Beständen zählen Erstausgaben und Kopien bzw. Digitalisate aller Handschriften Winckelmanns und die internationale Sekundärliteratur zu seinem Leben und Werk.
Darüber hinaus hat die Bibliothek folgende Schwerpunkte:
• Zeitgenossen Winckelmanns
• Archäologie
• Kunstgeschichte
• Geschichte und Literatur des 18 und 19. Jahrhunderts
• Antikerezeption
Der Bibliotheksbestand wird derzeit in den Datenbestand des DAI-Bibliotheksverbundes (Bibliotheksverbund der Deutschen Archäologischen Institute) überführt und ist frei zugänglich über den Zentralen Onlinekatalog ZENON DAI. Der Bestand an Literatur von und zu Winckelmann ist in einem eigenen Thesaurus-Baum für die Forschung sichtbar gemacht.

Mit der Neueröffnung der Bibliothek und dem neuerrichteten „Franz- und Eva Rutzen Lesesaal“, in der ersten Etage des Museums wird die Bibliothek erstmalig frei zugänglich sein. Dank zahlreicher Schenkungen unserer Mitglieder, insbesondere des Verleger-Ehepaares Rutzen, konnten die Bestände zur Kunstgeschichte und Archäologie in den letzten Jahren wesentlich erweitert werden, so dass diese Bereiche zukünftig für jeden Interessierten (ab 18 Jahre) zur Ausleihe zur Verfügung stehen. Die Bestände ab 1900 sind ausleihbar und die wertvollen Bestände vor 1900 können auf Anfrage aus dem Magazin bereitgestellt werden.

Stendal
Winckelmannstraße 36-38
39576 Hansestadt Stendal
info@winckelmann-gesellschaft.com
03931-215226

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